Nach meiner Kurzvisite im heimatlichen Österreich letztes
Wochenende bin ich wieder in der schönen Stadt des Hl.
Antonius (der hier nur "il Santo" heißt) eingelangt.
Gleich vorweg: nach dem Fortgehen am Montag abend war es
sicherlich nicht die beste Idee, ausgerechnet den Zug um
6.30 zu nehmen, vor allem nicht, wenn man ein Abteil mit
einer Rasselband im Alter von 5-8 erwischt.
Jetzt habe ich meinen neuen Laptop im Heim und kann nach
Herzenslust Musik hören. Ich kümmere mich auch nicht
sonderlich um die Lautstärke, weil da wäre ich echt der
einzige hier im Heim. Gestern wollte ich um 23.00 schlafen
gehen, da hatte ich aber die Rechung ohne Mauro aus dem
übernächsten Zimmer gemacht, der mit einer Bekannten noch
"Krieg der Welten" anschaute/nachspielte.
Ich bin schon öfters gefragt worden, ob ich denn eigentlich
auch studiere hier in Padua, oder nur fortgehe; ich bin
jeden Tag auf der Uni (neuerdings auch freitags, weil sich
ein Prof. das so einbildet) und habe auch wieder zum
ernsthaft Lernen angefangen, nur schreibe ich davon wenig,
weil's da nicht sonderlich viel Lustiges zu berichten gibt.
Mathematik ist überall gleich interessant (ich weiß, böse
Zungen würden sagen: gleich fad).
Ich habe jetzt auch ein den einen oder anderen
Studienkollegen privat kennengelernt:
1) Steve, il americano - Captain der US.Army, schaut aus,
als würde er in seiner Freizeit Telefonbücher zerreißen,
ansonsten ist er aber wirklich nett und teilt meine
Einstellung, dass man auch auf die Uni gehen kann, wenn man
die Nacht durchgefeiert hat.
2) Sara und Valentina - die einzigen ital. Studentinnen in
meinen Kursen, beide ALGANT; ich war mit ihnen heute Spritz
trinken.
3) Christoph - il francese, auch ALGANT. Stichwort: am
Donnerstag morgen geht er nicht auf die Uni, weil mittwochs
ist hier der Fortgehtag. Netter Mensch, spricht kein Wort
Italienisch und sein Englisch ist marginal besser - ich
wundere mich ehrlich, wie er irgendetwas hier versteht.
4) Laura, spagnola. Hält sich als einzige weitere Erasmus
(nicht ALGANT)-Studentin tapfer; hat - ACHTUNG, typisch
spanisch - 2 (!) Wochen vorm Semesterbeginn
Italienischlernen begonnen; zu meiner großen Enttäuschung
kann sie es ungefähr so gut wie ich.
5) die anderen ALGANT-Leute sind - laut Sara und Valentina,
die die letzte Woche mit ihnen auf einer Exkursion in
Bordeaux (für Feinspitze: sie haben sich Vorträge über
Fermats Letzten Satz angehört) waren - alles Langweiler,
die den ganzen Tag nur über Mathematik reden.
Skype geht noch immer nicht, ich probiere es aber weiterhin
(danke Gellert, danke Christoph). Vielleicht starte ich
auch einen "Blog", das ist so eine Art Homepage, wo ich
meine Geschichten hinschreiben kann und auch ein paar Fotos
dazuhängen. Wir werden sehen.
Heute abend ist im Fernsehen großes Fussballmatch: Juventus
Turin gegen Bayern München. Die Deutschen schauen alle im
St. John's Pub fern, der Österreicher Hannes hat mich dazu
aufgefordert, mitzukommen und gegen die Bayern Stimmung
machen (eventuell singen wir ja was von den "Hosen").
Nun noch ein paar Worte zu meinem Zimmernachbarn Youssef,
mit dem ich mir das Bad teile: Er ist 21 und studiert
Dolmetsch; seine Eltern sind aus Marokko nach Belgien
emigriert, er hat acht Geschwister und ich führe ihn in das
harte Leben eines Single-Mannes ein, der nicht mehr bei
seiner Mutter wohnt:
1) ich zeige ihm, wie man den Boden/das Klo putzt.
2) wir gehen gemeinsam Wäsche waschen
3) heute waren wir im Supermarkt - ich habe ihm gezeigt,
was sich der Mann von heute selber kochen kann; ich musste
ihm dabei versichern, Spaghetti aufstellen zu können.
Packerlsuppe kannte er schon, Reis war ihm zu kompliziert.
Wir haben uns eine Kochplatte gekauft.
Er ist wirklich ein sehr netter Kerl, wir tratschen oft, er
lädt mich öfters auf einen Kaffee auf seiner mitgebrachten
Espresso-Maschine ein; ich habe ihm meinen alten Laptop
geliehen, er mir ein paar Bücher auf Italienisch.
Morgen begint hier ein Salsa-/Merengue-Kurs (das ist
südamerikanischer Tanz, nichts zum Essen) im ortsbekannten
Tanzschuppen "Maracaibo" - nur für uns Erasmen; ich glaube,
ich gehe da hin. Es gibt einen Drink gratis, wenn man den
Abend durchsteht.
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