Erasmus in Padua

Bernds wunderbares Erasmus Jahr in Padua, Italien

Montag, März 27, 2006

Was ist Europa?

Je mehr ich auf diesem Kontinent herumfahre, umso mehr habe ich das Gefühl, dass es eh überall dasselbe ist: Kaffee aus Tassen statt Bechern (pfui, schon wieder ein Starbucks - "aber die Muffins sind so gut"), Museen mit uralten (oder postmodernen) Ausstellungsobjekten, Menschen, die ihren eigenen Kleidungsstil haben (aber doch immer modebewusst zu H&M gehen), schweizer Uhren tragen und deutsche Autos fahren (die in der Slowakei gebaut werden), Pasta (als Student zu Mittag) und Kebab (Mitternacht) essen, Witze über die Leute aus den Nachbarländern machen, über Amerika schimpfen, aber die dortigen Jobaussichten für reizvoll halten, die EU kritisieren, aber gern ohne Pass reisen und überall mit Euro zahlen, die eigenen Landsleute für sprachunbegabt halten, Entwicklungshilfe befürworten und immer bereit sind, eine Diskussion über das Fortress Europe anzufangen.
Ich glaube, ich bin bereit für den nächsten Kontinent.

Besuch bei Erich

Erich (leider nur ein altes Foto)
Da ich das Café Madrid nun schon recht gut kenne, habe ich mir gedacht, ich sollte doch einmal in die namensgebende Stadt fahren. Da trifft es sich natürlich gut, dass Erich gerade dort Erasmus macht und das darüberhinaus die Flugverbindung Venedig - Madrid vom italienischen Billigcarrier myair angeboten wird.
Habe also vier Tage in dort verbracht, anfangs bewölkt, die letzten beiden Tage immerhin sonnig bei 15 Grad.
Neben den Gesprächen mit Erich, die mir seine Sichtweise von Erasmus nahe gebracht haben und den zahlreichen Museumsbesuchen (endlich Picassos unvergleichliches Guernica gesehen und einige Paduaansichten von Canaletto) haben wir uns natürlich auch dem Nachtleben hingegeben.
Soetwas habe ich dann tatsächlich noch nie gesehen: die Straßen voller Leute bis sechs, sieben in der Früh, chinesische Händler, die auf der Straße um dieselbe Uhrzeit noch Bier verkaufen, Jugendliche, die Straßen abriegeln und Passanten zum Schnurspringen animieren.
Wenn ich nochmal wählen könnte, würde ich wohl dort Erasmus machen. Vielleicht liegt der Unterschied aber auch in der Tatsache, dass Madrid eine Großstadt ist, was aber wiederum nicht heißt, dass die Erasmusgemeinde weniger verbandelt wäre.

Donnerstag, März 23, 2006

Geburtstag in Martas WG

Marta
André und ich
Marta und das Geburtstagskind Pilar
Kuchen und heiße Schokolade
ganz links mit dem Fotoapparat: Christoph
Matthias bietet mir einen Snack an

Seit ich mit Marta zusammen bin, verbringe ich oft Zeit in ihrer WG. Dort leben acht Erasmusstudenten (3 Spanierinnen, 2 Belgierinnen, eine Schwedin, ein Engländer, ein Deutscher) und oft gibt es etwas zu feiern.
Diesmal hatte Pilar, eine ihrer spanischen Mitbewohnerinnen, Geburtstag und es wurde zu heißer Schokolade geladen.
Notiz am Rande: mein französischer Studienkollege Christoph ist mit einem anderen Mädchen aus der WG, Laura, zusammen - klein und tratschreich ist die Erasmusgemeinde.

Samstag, März 18, 2006

La casa

Schon zweimal nun bin ich einer Einladung des Freundes meiner Tandempartnerin, Francesco, gefolgt und war mit ihm (und anderen Leuten) auf einer Party in der Via Trieste.
An dieser zweispurigen Einbahnstraße zwischen Bahnhof und Zentrum Paduas steht ein Gründerzeithaus mit drei Stockwerken, Garten rundherum und einem hohen Eisenzaun.
Beim ersten Besuch waren wir relativ früh dran (so gegen halb elf) und die Gegend war ruhig, ich wunderte mich eher, dass hier eine Party stattfinden sollte.
Kaum war ich im Vorraum, sah´s schon anders aus: auf wunderschön gefliestem Boden wackelte ein grindiger Tisch (der im Lauf der Nacht lediglich Patina gewann) voller Bierdosen, daneben ein Kühlschrank (ebenfalls vollgeladen), rundherum viel Wanddekor (wenngleich nicht mehr gründerzeitlich).
Im ehemaligen Wohnzimmer standen vier Fernseher, von denen auf einem MTV lief, viele Couchen und ein paar Partygäste. Das nächste Zimmer war das Schlafzimmer der spanischen Erasmusstudenten (zwei Stockbetten) usw. Insgesamt wohnen acht/neun Leute dort, wenn man die Dauergäste nicht mitrechnet.
Stunden später: Unmengen von Gästen überall im Erdgeschoß, glasige Augen, Pisser im Vorgarten, Fahrräder im Umkreis von einem Häuserblock.
Da verstand ich auch, weshalb Francesco gemeint hatte, in seinen besten Zeiten habe das Haus Parties gesehen, von denen die Bewohner weder etwas gewusst, noch daran teilgenommen hatten. Die eine Einbahnspur sei nicht nur einmal von Polizeiautos vollgestellt gewesen.

Diese Woche (zur Feier meiner Prüfung am Donnerstag) waren wieder dort, doch zu meiner Überraschung gab's im Erdgeschoß keine Party. Dafür aber im ersten Stock, der so wie auch der dritte und letzte von Studenten bewohnt wird. Diesmal musste man nicht an der Tür zwei Euro löhnen, sondern fürs Bier zahlen (wenngleich moderate Preise: ein Bier = ein Euro, drei Bier = zwei Euro - Preisfrage: wieviel Bier bekommt man für fünf Euro?).

Sonntag, März 12, 2006

Slowenien - Portugal

ich, Bor, AndréBor vor der Burg Predjama
Sonnen auf der Terrasse der Burg Bled

Für die Technikbegeisterten: Das erste Foto haben wir bei einer öffentlichen E-mail-Versandstelle in Ljubiljana, die auch über eine Digitalkamera verfügte, gemacht, die letzten vier Fotos hat André mit seinem HANDY aufgenommen und dann auf den Computer übertragen. Mit demselben Teil hat er uns im Auto portugiesische Lieder vorgespielt. [Das war das Beeindruckendste seit ich auf Christophs "Handy" (diesem telefoniertauglichen Palmtop) vor zwei Jahren ganze Simpsons-Folgen sehen konnte.]

Mein Zimmernachbar Bor hat mich und einen gemeinsamen Studienkollegen, André aus Portugal, fürs Wochenende nach Slowenien eingeladen.
Ich habe ein paar Dinge über Slowenien gelernt: alle singen gerne, es gibt irrsinnig viele Chöre, einmal haben wir mit ein paar Burschen aus Bors Chor eine Kellertour (Wein und Salami) in seinem Heimatdorf gemacht. Diese liegt nahe der italienischen Grenze und deshalb sprechen dort sehr viele Menschen perfekt Italienisch (aber natürlich auch Englisch).
Weiters ist Sport ein sehr großes Thema in unserem Nachbarland; selbst an der Uni ist das noch verpflichtend (nicht so wie bei uns nur in der Schule), jeder ist in irgendeinem Team.
Übrigens kann man in Slowenien schon überall mit Euro zahlen und bekommt meistens auch in Euro heraus; ab 2007 wollen sie die Umstellung auch offiziell vollzogen haben. Ich war ja allgemein sehr überrascht, wie wenig sich der Standard dort von Österreich unterscheidet. Die Preise (beim Fortgehen vor allem) sind aber merklich niedriger - aber anscheinend denen in Portugal recht ähnlich.
Was mich zu unserem Reisebegleiter André bringt. Dieser hat sich sofort als überaus sympathisch und redselig herausgestellt (ich hatte ihn erst ein-/zweimal vorher gesehen). Wir sind auf einige Unterschiede zwischen uns Nordländern und ihm Südländer gekommen, was zu durchaus anregenden Diskussionen über Dinge wie Planung, Ordnung, Emotion, Sonne und ihre Bedeutung für die Stimmung, die EU usw. geführt hat. Natürlich werden wir ihn sobald als möglich in Lissabon besuchen.
Bor hat uns aber nicht nur sein Heimatdorf, sondern auch ein paar andere Sehenswürdigkeiten in Slowenien (die Postojnska Höhle, die Burg Predjama, Bled) und vor allem seine Unistadt Ljubiljana gezeigt. Einen Abend dort haben wir zu viert mit Bors Mittelschulliebe und dem Brettspiel "Risiko" (ein Vergnügen unter Kennern, hehe) zugebracht, einen anderen haben wir das Nachtleben erkundet.

Mittwoch, März 08, 2006

Privatfeier

Am Montag bin ich noch einen Sprung ins Café Madrid (jaja,wieviele Geschichten beginnen so...), weil FlorianGeburtstag hatte.
Gegen Mitternacht hat der Capo (derübrigens Adriano heißt) begonnen, die Leute hinauszuwerfen.Zu Florian hat er gesagt, er solle in zehn Minuten wiederkommen.
Wir hielten es zwar für eine Finte (oder einen seiner Wahnsinnsanfälle), sind aber trotzdem in einer kleinen Gruppe vorm Madrid herumgestanden.
Nach einem kleinen "Giro" hat uns der Chef dann für eine Privatfeier tatsächlich nochmals aufgemacht.
Von da an gab's nur noch Getränke aufs Haus, die Frau Chef war nicht da (Die Frau vom Capo schaut normalerweise, dass er sich, erstens, halbwegs normal aufführt, und, zweitens, dass er nicht zuviel verschenkt)
Unser aller Freund hat mit Handtüchern geworfen, Wasser/Alkohol durchs Lokal gespritzt, seine neue hübsche Kellnerin Florian zumGeburtstag geschenkt (angeblich ist der Sohn sardinischer Erde ein bisschen sexistisch),...
Irgendwann mussten dann alle "Gäste" hinter die Bar,während die "Angestellten" vor der Bar standen. Ich habe die Gelegenheit gleich genutzt, mir ein Bier zu zapfen, andere haben sich aus der Schnapsabteilung bedient.

Ich habe das in solcher Detailfreude erzählen müssen, weil ich bisher von solchen Abenden nur gehört habe, aber noch nicht dabei gewesen bin.

Shopping in Mailand

Blick vom Dach des Duomos

Stilechtes Fortbewegungsmittel
Marion in bester Winterausstattung
Im Castello Sforzesco
Letztes Wochenende habe ich mit meiner Schwester Marion und meiner Mutter in Mailand verbracht; sie gingen shoppen, ich ins Museum (ok, ich hab mir auch was gekauft).
Für mich waren die zwei Leonardo da Vinci Sonderausstellungen (eine im Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia Leonardo da Vinci, eine in der Pinacoteca Ambrosiana) die Höhepunkte der Reise (abgesehen vom Letzten Abendmahl, das wir uns auch angesehen haben) - da Vinci erfreut sich ja aufgrund seiner Biographie in Mailand besonderer Beliebtheit, momentan wird er wegen Dan Brown ziemlich gehypt.
Fortgehen hat sich als eher teuer herausgestellt, Mailand ist im Italienvergleich spitze.

Donnerstag, März 02, 2006

Math Squad

Was ich an Wien vermisse, sind die ewig fortgehmotivierten Studienkollegen aus Oberösterreich/Baden-Württemberg - ... Wo man dann endlich blöde studienbezogene Witze machen kann (von meiner Schwester kommt dann immer der Vorwurf, dass "manche Leute" nicht abschalten könnten). Natürlich eignen sich dazu auch Astros (servus, Michi) oder Physis (das deutsche Bundesland wurde ja schon erwähnt), aber es ist halt nicht dasselbe, wenn man ständig die Anwendungen vor Augen hat.

Aber langsam erheben sich die lange unterdrücken Mathematikstudenten von Padua, zerreißen ihre Ketten, brechen von zuhause aus und gehen fort/weg/aus:
Mein Mitbewohner Bor war ja immer schon fleißig dabei, seit zwei Wochen treffe ich meine Tandempartnerin Claudia (1.Semester... aber den epsilon-Witz kennt sie schon) regelmäßig dort, seit dieser Woche habe ich Verstärkung vom Institut aus Wien erhalten (Magdalena; Biomathematik).

Und siehe da, im ALGANT-Sektor tut sich auch was: die Inder geben dieses Wochenende eine Party, und diverse Italiener haben für unseren Trip nach Utrecht Anfang Mai angekündigt, Holland stilecht unsicher zu machen.

Mittwoch, März 01, 2006

Aschermittwoch

Seit einer Woche liege ich meinen Uni-Kollegen in den Ohren, dass wir uns am Faschingdienstag (also gestern) verkleiden müssen. Seit mindestens genauso lange weist man mich höflich darauf hin, dass seit 10-15 Jahren nicht mehr gemacht zu haben, es sich aber zu überlegen.
Ich komme gestern also mit meinem Zorrohut in die Modultheorie-Vorlesung und muss zu meinem Entsetzen feststellen, dass außer Alvise (Italiener), der einen Pandakopf trägt, jeder in zivil hier ist.
Für mich ist der Fasching hiermit offiziell vorbei, ich will davon nichts mehr wissen.

Uralten Traditionen folgend habe ich natürlichen einen leichten Kater am heutigen Aschermittwoch, was aber an Melanies Abschiedsfeier im Café Madrid und nicht am bunten Treiben in Venedig oder sonstwo liegt.